Unsere Geschichte im Detail


Die obige Zeitleiste zeigt nur die großen Meilensteine unseres Vereinslebens. Doch ein echtes Vereinsjahrhundert lebt von seinen Menschen, den kleinen Anekdoten und dem gemeinsamen Anpacken an der Dahme.

👉 Blättern Sie unten durch die 20 Kapitel unserer Chronik – klicken Sie einfach auf die Abschnitte!

1916 – Die Gründung

Am 9. August gründen 17 Männer im Lokal „Zum Grünen Baum“ den Angler-Verein Wildau.

1932 – Der Tonteich

Pacht des Tonteichs als erstes eigenes Vereinsgewässer und intensiver Fischbesatz.

1954 – Eintritt in den DAV

Gründung des DAV. Die Wildauer Angler organisieren sich in der neuen nationalen Struktur.

1961 – Haus Seeblick

Feierliche Einweihung des ersten eigenen Vereinsheims an der Dahme, komplett in Eigenleistung erbaut.

1965 – Die Betriebsgruppe

Gründung der Sektion Angeln der BSG Motor Wildau – ein zweiter starker Verein entsteht am Ort.

1985 – Neubau der Stege

Nach einem schweren Schiffsunglück entsteht für 87.000 Mark die moderne, heutige Steganlage.

1990 – Vizeweltmeister & e.V.

Wilfried Noack wird Vizeweltmeister im Casting in Bordeaux. Der Verein wird offiziell zum e.V. nach neuem Recht.

2015 – Die große Fusion

Der „alte“ Anglerverein von 1916 und die Betriebsgruppe fusionieren zu einem gemeinsamen, starken Verein.

Heute – Lebendige Tradition

Ein rüstiger Verein mit über 150 Mitgliedern, öffentlicher Gaststätte und festem Platz im Wildauer Stadtleben.

Kapitel 1: Die Gründerjahre (1916 – 1921)

Mitten in einer schweren Zeit, am 9. August 1916, schlug die Geburtsstunde unseres Vereins. In der Wildauer Blankstraße (der heutigen Friedrich-Engels-Straße) fanden sich 17 engagierte Herren im Lokal „Zum grünen Baum“ zusammen. Ihr Ziel: Die Gründung des „Angler-Vereins Wildau 1916“. Zum 1. Vorsitzenden wurde Eduard Thiering gewählt.

Die Startbedingungen waren bescheiden: Die Aufnahmegebühr betrug gerade einmal 25 Pfennige, der Monatsbeitrag 30 Pfennige. An den Kauf eines eigenen Vereinskahns war aus finanziellen Gründen anfangs noch gar nicht zu denken.

Schon im Frühjahr 1917 sicherseilte sich der junge Verein mit Unterstützung des Gemeindevorstehers erste Fischereirechte an der Dahme (Gemeinde Hoherlehme). Am 15. April 1917 fand das allererste gemeinsame Anangeln an der damaligen Badeanstalt statt – genau dort, wo sich auch heute noch unser Vereinsgelände befindet.

Neben dem Angeln wurde von Beginn an die Gemeinschaft großgeschrieben: 1919 wurde der erste legendäre Maskenball ins Leben gerufen – eine Tradition, die bis 1968 ganz Wildau begeisterte. Ebenfalls 1919 wurde das erste Vereinsabzeichen eingeführt (wasserblau mit goldenem Fisch). Wer es bei Treffen vergaß, musste 10 Pfennige Strafe zahlen. Besonders beliebt waren zudem festliche Bootsausflüge mit Lampions nach Ziegenhals. Am 1. März 1921 entschied sich die rasant wachsende Gemeinschaft für den nächsten großen Schritt. Mit großer Mehrheit beschlossen die Mitglieder den Beitritt zum „Arbeiter-Angler-Bund Deutschlands“ (AABD) und legten damit den Grundstein für die überregionale Vernetzung.

Kapitel 2: Zusammenhalt in harten Zeiten

Auch die schwere Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre ging an unserem Verein nicht spurlos vorbei. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, bewiesen die Wildauer Angler wahren Gemeinschaftsgeist und viel Kreativität. Da das Geld knapp war, erfanden die Mitglieder kurzerhand eigene Lösungen: So baute ein Angelfreund im März 1932 eine funktionierende Köderfisch-Senke aus einem alten Regenschirm!

Besonders stolz sind wir rückblickend auf die Solidarität innerhalb des Vereins: Um von der Krise betroffene, arbeitslose Mitglieder zu unterstützen, verzichtete der Verein auf teure Weihnachtsfeiern. Stattdessen wurden aus der Vereinskasse kostenlose Angelkarten für sie finanziert. Trotz der rasant steigenden Arbeitslosigkeit im Ort schaffte es der Vorstand durch eisernes Sparen, den Verein komplett schuldenfrei durch das schwere Jahr 1931 zu führen.

Geangelt wurde natürlich trotzdem aktiv. Die Regeln beim traditionellen Preisangeln waren damals streng, aber fair. Am 29. Mai 1932 fuhren 32 Angelfreunde in ihren Kähnen geschlossen im Konvoi auf die Dahme hinaus. Wer schummelte (etwa durch das Zusammenwerfen von Fängen), flog unweigerlich aus dem Verein! Der damalige Gewinner und stolze „Angelkönig“ wurde Paul Eyber mit einem Blei von 650 Gramm. Nach dem Sport wurde beim sogenannten „Fidelitas“ im Vereinslokal „Zum grünen Baum“ trotz aller Sorgen ausgiebig und fröhlich mit den Familien gefeiert.

Kapitel 3: Die Geschichte des Tonteichs (1932)

Ein großer Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte war die Suche nach einem eigenen Vereinsgewässer. Angebote in der Ferne – wie ein See in Teupitz – wurden 1932 bewusst abgelehnt. Die Begründung damals: Zu weit weg, zu schlechte Fahrverbindungen und zu teures Fahrgeld! Getreu dem Motto „Fische vor der Haustür“ zog es die Wildauer Angler zu den heimischen Gewässern.

Im Juli 1932 gelang dem Vorstand ein großer Coup: Für eine Jahrespacht von gerade einmal 40 Mark wurden die Gewässer des Guts „Neue Ziegelei“ gepachtet. Dabei handelte es sich um die ehemaligen Tonlöcher unweit der Dahme – das Areal, das wir auch heute noch als den „Tonteich“ südlich der Wildauer Teichstraße kennen.

Mit großem Fleiß machten sich die Mitglieder an die Hege und Pflege: Im November 1932 wurden unter großem logistischen Aufwand die ersten Satzfische geliefert und eingesetzt – insgesamt 1.000 Schleie und 1.000 Karpfen. Die Kosten inklusive Fracht und Fässern betrugen stolze 76,30 Mark. Damit die mühevoll eingesetzten Karpfen bei Hochwasser nicht entweichen konnten, schippten die Mitglieder eigenhändig Schutzdämme auf und zogen feine Maschendrähte.

Ab Mai 1934 wurde am Tonteich nach einem strengen System geangelt, um das Gewässer zu schonen. Mitglieder mit den Anfangsbuchstaben A–L durften nur an geraden Tagen an den Teich, die Buchstaben M–Z nur an ungeraden Tagen. Die damaligen Vereinssitzungen begannen und endeten traditionell mit einem gemeinsamen Angellied, das ein Sportfreund am Klavier begleitete. Als das Klavier 1936 einmal ausfiel, ordnete der Vorsitzende kurzerhand an: „Es muss eben ohne Klavierbegleitung gesungen werden!“ Ein besonderes Highlight jener Tage war das „Olympia-Preisangeln“ am 14. August 1936 direkt am Tonteich. Die Chronik berichtet mit einem Schmunzeln: „Fische wurden zwar nicht gefangen, aber dafür herrschte große Gemütlichkeit.“

Im Mai 1937 endete die erste Ära am Tonteich abrupt. Der Pachtvertrag wurde wegen des bevorstehenden Autobahnbaus aufgehoben, da Wasser aus den Tonlöchern entnommen werden musste. Die Angler konzentrierten sich fortan wieder ganz auf die Dahme. Erst im Januar 1951 kehrte der Verein offiziell an sein Herzensgewässer zurück. Für eine anfängliche Pacht von 10 DM pro Jahr sicherten wir uns den Tonteich langfristig. Es folgten neue Besatzmaßnahmen, wie etwa im November 1958 mit rund 500 neuen Fischen. Heute ist der Tonteich ein idyllisches Ziel für Spaziergänger und liegt eingebettet in ein kleines Naturschutzgebiet.

Kapitel 4: Politische Umbrüche und Gleichschaltung (1933 – 1945)

Das Jahr 1933 begann für die Wildauer Angler zunächst unbeschwert. Im Januar stiftete der Vereinswirt Paul Dubian ein neues Tischbanner für das Vereinslokal – den roten Wimpel mit der Aufschrift „Angler-Sparte Wildau 1916“, der bis heute im Verein erhalten geblieben ist. Beim Anangeln im Mai 1933 zog die Gemeinschaft in Originaltracht und von Musikern begleitet durch den Ort zum Vereinslokal, was im ganzen Ort für großes Aufsehen sorgte.

Doch die tiefgreifenden politischen Veränderungen nach den Reichstagswahlen im März 1933 machten auch vor dem Vereinsleben nicht halt. Im Zuge der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ wurde der bisherige Dachverband (der Arbeiter-Angler-Bund Deutschlands) im April 1933 zwangsweise aufgelöst und durch den zentral gesteuerten „Reichsverband Deutscher Sportangler“ ersetzt. Im Juli 1933 erschien der NSDAP-Ortsgruppenleiter auf der Generalversammlung und stellte unmissverständlich klar, dass die Machthaber ab sofort die volle Kontrolle beanspruchten. Um die Vergabe von Angelkarten nicht zu gefährden, stimmten die Mitglieder gezwungenermaßen der Gleichschaltung und einer Anpassung der Statuten zu. Ab 1934 tauchte in den Dokumenten zunehmend der aufgezwungene Begriff des „Vereinsführers“ anstelle des traditionellen Vorsitzenden auf. Sogar das alte Vereinsbanner musste abgegeben werden, da fortan nur noch Hakenkreuzfahnen zulässig waren.

Trotz des politischen Drucks wuchs der Verein in dieser Zeit stark an: Allein im August 1933 traten 27 neue Mitglieder bei, sodass die Gemeinschaft bis Jahresende auf 84 Angelfreunde anwuchs. Das traditionelle Abangeln im Jahr 1933 wurde als Werbeangeln genutzt, wobei das gesamte Fangergebnis der örtlichen Notstandsküche gespendet wurde.

Dass die erzwungenen neuen Bezeichnungen im Verein keineswegs mit einer regimekonformen Gesinnung gleichzusetzen waren, bewies die Führung des Vereins. Der langjährige Vorsitzende Jakob Schumacher, der 1934 vom Verband offiziell zum „Vereinsführer“ bestimmt wurde, hatte noch 1933 auf Listenplatz 1 für die SPD bei den Kommunalwahlen kandidiert. Im Mai 1938 übernahm schließlich Albert Lindner die Führung des Vereins. Lindner leitete die Geschicke der Wildauer Angler mit ruhiger Hand und großem Rückhalt durch die schweren Kriegsjahre und weit über die historische Zeitenwende von 1945 hinaus bis ins Jahr 1957. Er prägte den Wiederaufbau des organisierten Angelsports in der gesamten Region nach dem Krieg entscheidend mit, wurde mit der Ehrennadel des DAV ausgezeichnet und ging schließlich als erster Ehrenvorsitzender in die Geschichte unseres Vereins ein.

Kapitel 5: Die Evolution des Preisangelns & Vereinslokale

Wer wird „Angelkönig“? In den ersten Jahrzehnten unseres Vereins war die Antwort simpel: Wer den schwersten Fisch auf die Waage brachte, holte den Titel. Doch im Mai 1936 änderte sich das radikal – der Verein führte das erste ausgeklügelte Punktesystem ein. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Fische nach ihrer Wertigkeit eingestuft. Ein gefangener Güster brachte beispielsweise 1 Punkt pro Gramm, eine Plötze 2,5 Punkte, eine Schlei 9 Punkte und die absolute Krönung war der Aal mit stolzen 10 Punkten pro Gramm. Winzige Fische wie Uklei oder Gründlinge flogen komplett aus der Wertung. Das Gewicht wurde einfach mit den Punkten der Fischart multipliziert.

Über die Jahrzehnte passten die Wildauer Angler diese Maßstäbe immer wieder an: 1958 brachten 100g Weißfisch 1 Punkt, 100g Edelfisch 3 Punkte. 1970 galt die faire Formel: 1 Punkt je Fisch plus 1 Punkt je Gramm. Heute zählt bei unseren modernen Hegefischen im Sinne des Naturschutzes rein das Gewicht der zu hegenden Fischarten (1 Punkt pro Gramm). Die Disziplin beim Preisangeln war übrigens schon 1937 enorm wichtig. Wer ohne Vereinswimpel am Kahn erwischt wurde oder zu spät zum Abwiegen an Land kam, wurde gnadenlos disqualifiziert!

Ein historischer Meilenstein war zudem der Wechsel des Vereinslokals im Jahr 1937. Über zwanzig Jahre lang war das Lokal „Zum grünen Baum“ von Paul Dubian der feste Ankerpunkt unseres Vereinslebens. Doch Ende 1936 regte sich Unmut unter den Mitgliedern. Das Vereinszimmer für die Generalversammlung mit den Ehefrauen wurde im Protokoll als „zu klein und zu rauchig“ kritisiert. Am 5. Februar 1937 kam es zu einer historischen Abstimmung: Mit einer überwältigenden Mehrheit von 42 zu 3 Stimmen beschlossen die Mitglieder den Umzug in die Gastwirtschaft von Herr Oldenburg in der Blankstraße. Alteingesessene Wildauer kennen dieses Gebäude noch genau als die legendäre Eckkneipe „Schwungrad“. Wirt Oldenburg trat kurz darauf selbst in den Verein ein und stiftete den Anglern sogar ihre ersten eigenen Vereinsspinde.

Kapitel 6: Das Vereinsleben während der Kriegsjahre

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 änderte sich der Alltag im Verein schlagartig. Das gemeinsame Hobby trat zwangsläufig in den Hintergrund, und die traditionellen Gemeinschaftsangeln konnten oft nur unter großen organisatorischen Hürden oder stark verspätet stattfinden. Die beliebten Maskenbälle mussten komplett abgesagt werden. Um den Vereinsbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten, passten sich die Wildauer Angler den Gefahren und Engpässen der Kriegszeit an:

  • Sonntagsversammlungen gegen Fliegeralarm: Die monatlichen Treffen im Vereinslokal Oldenburg wurden in den Wintermonaten von Freitagabend auf den Sonntagvormittag verlegen, um den nächtlichen Fliegeralarmen zu entgehen.
  • Fischverkauf zur Versorgung: Infolge der prekären Versorgungslage wurde eine fundamentale Vereinsregel vorübergehend außer Kraft gesetzt: Solange der Krieg dauerte, war es den Mitgliedern offiziell gestattet, ihre gefangenen Fische zu verkaufen. Ein geplanned gemeinsames Wurstessen im April 1942 musste wegen der drastischen Kürzung der Fleischmarken komplett gestrichen werden.
  • Mangelware Angelgerät: Da ab 1943 Ruten, Schnüre und Haken im freien Handel kaum noch zu bekommen waren, organisierte der Verein bezugsscheinpflichtiges Material zentral über den Verband. Haken besorgte sich jeder Angler privat im bekannten Eisenwarenladen von Otto Schampe in Königs Wusterhausen.

Der menschliche Zusammenhalt riss trotz der räumlichen Distanz nicht ab. Ab 1942 wurden vermehrt Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen. Die Daheimgebliebenen hielten über Briefe und Frontkartengrüße engen Kontakt zu ihren Vereinskameraden. Da es für den Vorstand immer schwerer wurde, Weihnachtspakete an die Soldaten zu organisieren, stifteten die Mitglieder spontan aus eigenen Beständen Zigaretten, um den Kameraden an der Front eine Freude zu bereiten.

Am 22. Dezember 1943 brannte bei einem Luftangriff der Berliner Hauptsitz des Dachverbandes komplett aus, wodurch sämtliche Dokumente vernichtet wurden. Die Wildauer mussten daraufhin ihre Mitgliederlisten komplett neu aufbauen. Trotz aller Widrigkeiten wurde im Sommer 1944 noch ein Preisangeln durchgeführt, aus dem Angelfreund Blatti als letzter Kriegsamts-„Angelkönig“ hervorging. Der letzten überlieferte Protokolleintrag stammt vom 10. Dezember 1944. Danach schwiegen die Akten des Vereins für fast drei Jahre – die Aufzeichnungen setzen erst mit dem Friedensalltag am 2. Mai 1947 wieder ein.

Kapitel 7: Zeitenwende und Nachkriegs-Zusammenhalt (1947 – 1949)

Am 2. Mai 1947 traten die Wildauer Angler erstmals nach dem Krieg wieder zu einer offiziellen Sitzung zusammen. Der aufgezwungene Begriff des „Vereinsführers“ verschwand sofort, und Albert Lindner lenkte die Geschicke wieder als traditioneller 1. Vereinsvorsitzender. Die erste Zeit im zerstörten Nachkriegsdeutschland war von extremem Mangel geprägt. Angelzeug gab es bei lokalen Händlern nur in winzigen Mengen zu kaufen. Schlimmer noch stand es um die Existenzgrundlage des Vereins: Der alte Dachverband war aufgelöst, Pachtverträge erloschen und der Erwerb von Angelkarten wurde zum bürokratischen Kraftakt. Der Vorstand musste zähe Verhandlungen mit Fischermeistern, Landesbehörden in Potsdam und sogar mit der sowjetischen Kommandantur in Mahlow führen. Im Frühjahr 1948 konnten über die Kommandantur mühsam ganze pfenniggroße fünf Angelkarten organisiert werden, die bevorzugt an kinderreiche Familien und Opfer des Faschismus vergeben wurden. In dieser existenziellen Krise schwor Vorsitzender Lindner seine Mitglieder ein: „Sollten wir keine Angelkarten bekommen, dann wollen wir trotzdem fest zusammenhalten.“

Auch die liebgewonnene Infrastruktur war schwer gezeichnet. Die Kahnanlage an der Dahme, die einst der enteigneten Berliner Maschinenbau-AG gehörte, war völlig verwahrlost. Große Teile des Holzes von Stegen und der alten Badeanstalt waren in den harten Wintern spurlos verschwunden – vermutlich in den Öfen der frierenden Anwohner. Zudem zweckentfremdete die örtliche Schuljugend unberechtigt die ungesicherten Kähne. Doch die Angler ließen sich nicht entmutigen. Nach Verhandlungen mit dem Bürgermeister erhielt der Verein im Sommer 1947 die offizielle Bescheinigung, dass ihnen die Anlage gehört. Mit großem Tatendrang schritten die Mitglieder eigenhändig an den Wiederaufbau der Stege. Trotz des schlechten Materials spiegelten die Fänge bald den alten Erfolg wider: Erste kapitale Schleie wurden stolz an Land gezogen.

Neben dem Wiederaufbau kehrte die berühmte Geselligkeit zurück. Im Februar 1948 organisierten die Angler den ersten Nachkriegs-Maskenball. Obwohl der Bürgermeister Anträge auf eine Saalheizung aus Kohle und die Nutzung eines Mikrofons ablehnte, wurde das Fest ein gigantischer Erfolg. Es brachte in der alten Reichsmark-Währung ein stolzes Plus ein, das im Mai 1948 bei einer ausgelassenen Vereinsfeier direkt komplett „verjubelt“ wurde. Das war ein weitsichtiger Schritt, denn im Juni 1948 folgte die Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone. Die Reichsmark wurde im Verhältnis 10:1 durch die neue Deutsche Mark abgelöst. Auf der Hauptversammlung im Januar 1949 bilanzierte der Kassierer sichtlich geknickt: „Die Währung hat uns arm gemacht und wir müssen wieder von vorn anfangen.“ Doch die neue Lebenslust war nicht überhörbar. Die nachfolgenden Wintervergnügen und der Maskenball 1949 füllten die Kassen im Nu wieder auf. Ob Pfingstball, geplante Dampferfahrten, das traditionelle Stiftungsfest oder eine festliche Silvesterfeier – die Wildauer Angler feierten das Leben und holten mit großer Freude alles nach.

Kapitel 8: Der Traum vom eigenen Anglerheim (1950 – 1954)

Schon seit der Gründung im Jahr 1916 nutzen die Wildauer Angler das malerische Gelände an der Dahme. Doch über Jahrzehnte hinweg waren sie dort nur geduldet und nicht Eigentümer der Stege. Die alte hölzerne Kahnanlage der ehemaligen Berliner Maschinenbau-AG (BMAG) verfiel nach dem Krieg zusehends. Im Oktober 1950 stellte das Wasserstraßenamt fest, dass die Stege „völlig verfault“ waren und ein Sicherheitsrisiko darstellten. Das war der Startschuss für ein historisches Wendekonzept: Im Oktober 1952 wurde die offizielle Genehmigung für die Steganlage auf die „Sektion Angler, Untergruppe Wildau“ übertragen. Ab sofort nahmen die Angler ihr Schicksal selbst in die Hand. Jeder Kahnbesitzer zahlte fortan einen jährlichen Beitrag von 6 DM für die Instandhaltung – und direkt wurde das nächste Großprojekt geschmiedet: Der Bau eines massiven Vereinsschuppens.

Der ehrgeizige Arbeitsplan für das Jahr 1954 verlangte den Mitgliedern alles ab: Die Kahnanlage musste geteert, der Uferbereich ausgebaggert und ein neuer Zaun gezogen werden. Um die Lasten fair zu verteilen, führte der Verein Kontrollkarten ein: Jeder Sportfreund musste verpflichtend 5 Arbeitsstunden auf der Baustelle ableisten. Im Frühjahr kaufte der Verein eine alte Holzbaracke auf dem Gelände der Wildauer HIAG (Holzverkohlungsindustrie AG). Am 3. April 1954 startete der historische Arbeitseinsatz. Unter der Bauleitung der Sportfreunde Walter Plagemann, Willi Brauer und Schatz schufen die Angler in rund 2.000 unentgeltlichen Arbeitsstunden in ihrer Freizeit ein echtes Schmuckstück.

Der Einsatz forderte absolute Disziplin. Als der Vorstand bemerkte, dass sich einige Mitglieder drückten und lieber heimlich angeln gingen, während andere am Schuppen schufteten, gab es im Protokoll eine dichte Standpauke. Die Mahnung wirkte: Bei den folgenden Großeinsätzen am Wochenende – teilweise morgens ab 6:00 Uhr – packten alle mit an. Das Fundament wurde gegossen und der Schuppen spontan auf stattliche 4 x 8 Meter vergrößert. Bereits im Juli 1954 waren Dach, Türen, Fenster und die einladende Veranda fertiggestellt. Am 7. Oktober 1954 wurde das neue Gerätehaus nach dem Abangeln feierlich eingeweiht. In Erinnerung an den Sportfreund August Kunze, der den Bau über Jahre hinweg unermüdlich und lautstark gefordert hatte, bekam das Gebäude im Volksmund schnell den liebevollen Beinamen „August Kunzes Sorgenheim“. Mit dem Schuppen und der neuen Steganlage war das feste Fundament für die Zukunft gelegt.

Kapitel 9: Sektion statt Verein & Die DAV-Gründung (1954)

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Verein vor einer Identitätskrise. Ein angestrebter Beitritt zum Hauptsportverband im März 1948 scheiterte schlichtweg daran, dass sich dieser in einem anderen politischen Sektor befand. Im September 1949 folgte die offizielle politische Vorgabe: Die traditionellen Vereine wurden aufgelöst. Albert Lindner verkündete den Mitgliedern nach einer Sondersitzung, dass man ab sofort kein eigenständiger Verein mehr sei, sondern eine „Sektion“ (genauer: eine Sektionsgruppe des Kreisverbandes Teltow). Mit der neuen Struktur änderten sich auch die Dokumente: Der Mitgliedsausweis war nun gleichzeitig der Fischereischein.

Die ersten Jahre in der neuen Struktur waren von staatlicher Mangelwirtschaft und strengen Auflagen geprägt. Ab März 1950 wurden die Angler aus dem allgemeinen Sportausschuss herausgelöst und direkt der Fischereiwirtschaftsgenossenschaft angegliedert. Die Folge war ein Novum in der Vereinsgeschichte: Die Angler bekamen – analog zu den Berufsfischern – ein festes Abgabesoll für Edelfische auferlegt. Nur Weißfische bis 38 cm durften für den eigenen Kochtopf behalten werden. Diese strenge staatliche Rationierung zur Lebensmittelversorgung der Bevölkerung hielt bis 1954 an. Trotz der eigenen Lebensmittelknappheit blieb das Herz des Vereins am rechten Fleck: Der stolze Gesamtfang von 36 Pfund Fisch beim Preisangeln am 23. Juli 1950 wurde komplett dem Wildauer Kindergarten gespendet.

Wo gehörten die Angler politisch hin? Die Behörden der DDR wünschten keine rechtlich selbstständigen Anglervereine. Jahrelang gab es ein skurriles bürokratisches Hin und Her: Der Gewerkschaftsbund (FDGB) lehnte die Angler ab. Eine Angliederung an die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) scheiterte ebenfalls. Im Mai 1953 beendete das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport die Diskussionen und gliederte die Angler kurzerhand in einer eigenen Sportsektion ein. Am 13. Mai 1954 wurde schließlich die „Verordnung über die Bildung einer einheitlichen Anglervereinigung in der DDR“ erlassen. Durch den Zusammenschluss aller Sektionen entstand der Deutschen Anglerverband (DAV), der zum Zeitpunkt seiner Gründung bereits über 74.000 Mitglieder zählte. Da sich der DAV in der direkten Tradition des alten Arbeiter-Angler-Bund Deutschlands (AABD) sah, schloss sich für die Wildauer nach der Zwangsauflösung von 1933 ein großer geschichtlicher Kreis. Für die Wildauer Angler bedeutete der DAV-Beitritt im Juli 1954 endlich wieder stabile Verhältnisse. Auch der Titel des Vereinschefs spiegelte die Epochen wider: Vom „Sektionsleiter“ ging es wieder zurück zum traditionellen Titel des 1. Vorsitzenden.

Kapitel 10: Die 50er-Jahre & Ein historisches Novum

Das Vereinsleben der 1950er-Jahre war intensiv: Die legendäre Generalversammlung am 15. Januar 1950 ging über sage und schreibe sieben Stunden! Trotz erschöpfter Gemüter war die Tatkraft ungebrochen. Das Jahresprogramm strotzte vor Energie: Neben den drei traditionellen Hegefischen organisierten die Wildauer prachtvolle Maskenbälle, sommerliche Motorbootfahrten am Tag und romantische Mondscheinfahrten bei Nacht. Die Geselligkeit blühte auf, und die Mitgliederzahl kletterte bis 1955 auf stolze 123 Angelfreunde. Der Zusammenhalt war Ehrensache: Beim großen Preisangeln 1952 galt die eiserne Pflicht, dass jeder Bootsbesitzer einen kahnlosen Sportfreund mitnehmen musste. Niemand durfte am Ufer zurückbleiben!

Am 6. April 1956 schrieb der Verein Geschichte: Mit Anneliese Lange wurde die allererste Frau offiziell in den Wildauer Anglerverein aufgenommen. Der Vorstand betonte begeistert, dass sie schon lange treu an allen sportlichen Festen teilgenommen hatte. Die Abstimmung verlief einstimmig! Anneliese Lange engagierte sich über viele Jahre tief im Verein und übernahm ab 1963 sogar die Rolle der Frauenbeauftragten im Kreisverband.

Mitte der 50er-Jahre trafen den Verein auch regulatorische Änderungen: Während 1952 noch stolz mit drei Ruten geangelt wurde, schränkten neue Bestimmungen ab Ende 1956 das Angeln auf maximal zwei Ruten gleichzeitig ein. Wer beim Preisangeln untermaßige (zu kleine) Fische zur Waage brachte, wurde unweigerlich disqualifiziert. Da die neue Steganlage von Fremden unerlaubt als Badestelle zweckentfremdet wurde, beschlossen die Mitglieder im Juni 1956, das gesamte Vereinsgelände für 700 DM einzuzäunen. Gleichzeitig sorgten sich die Angler um schwindende Fischbestände durch zunehmende Gewässerverschmutzung und verheerende Nachwirkungen aus den letzten Kriegstagen. Dennoch gab es Sternstunden: Ende 1959 meldeten die Mitglieder stolz den Fang eines 3-kg-Hechts und einer kapitalen Schlei von rund 4,5 kg. Die Chronik zeigt auch, wie stark die politische Realität der DDR einschnitt. Besonders dramatisch liest sich ein Eintrag vom 4. September 1959: Ein Mitglied war seit Monaten seine Beiträge schuldig geblieben – der Vorstand musste mitteilen, dass der Sportfreund als „republikflüchtig“ in den Westen übergetreten war. Es erfolgte der prompte Ausschluss aus dem Verein.

Kapitel 11: Start des traditionsreichen Sektionsangelns (1953)

Am 24. August 1953 wurde in Zeuthen ein Meilenstein für die regionale Zusammenarbeit gelegt: Die Sektionsgruppen Zeuthen, Niederlehme I und II, Königs Wusterhausen und Wildau beschlossen, fortan jedes Jahr ein großes, gemeinsames Wettangeln auszutragen. Schon am 27. September 1953 fiel in Wildau der Startschuss für das allererste Turnier. Die Resonanz war überwältigend: 167 Sportfreunde rückten mit 123 Kähnen an. Den ersten Mannschaftspokal sicherte sich die Sektion Zeuthen, während die Wildauer Angler starke 6 Einzelpreise einheimsten. Gefeiert wurde die Premiere abends zünftig im Wildauer Volkshaus. Um den Zusammenhalt weiter zu stärken, veranstalteten die pflichtbewussten fünf Sektionen im März 1954 einen gemeinsamen Anglerball, bei dem alle Mitglieder „etwas Buntes“ tragen mussten.

Die Organisation entwickelte sich schnell weiter. Nach der zweiten Austragung am Zeuthener See lernten die Vorstände, dass der Pfingstmontag ein denkbar schlechter Termin für ein langes Turnier war – eine Einsicht, die im Verein bis heute Bestand hat. Gleichzeitig wurden die sportlichen Regeln spürbar verschärft, um absolute Fairness zu garantieren: Auf dem Zeuthener See wurde ein Mindestabstand von 20 Metern zur Schilfkante und stolze 30 Meter von Kahn zu Kahn vorgeschrieben. Um Absprachen zu verhindern, durften Verwandte oder Verschwägerte grundsätzlich nicht zusammen in einem Boot sitzen. Wer den Kahn vorzeitig verließ oder unerlaubt den Angelplatz wechselte, flog unweigerlich aus der Wertung. Als Wildau das Turnier 1958 zum zweiten Mal auf dem Sellenzugsee ausrichtete, mussten die Kähne sogar komplett vom Platz gelagert werden und es galt ein striktes Verbot, untermaßige Fische zur Waage zu bringen. Die Fänge wurden in jener Zeit noch von "Beauftragten" direkt auf dem Wasser eingesammelt.

Anfang der 1960er-Jahre rutschten die Teilnehmerzahlen vorübergehend in den Keller. Da der Nottekanal in Königs Wusterhausen für das Turnier ungeeignet war, sprangen die Wildauer 1962 als Gastgeber ein und sicherten sich prompt den Heimsieg. Um das prestigeträchtige Sektionsangeln vor dem Aus zu retten, wurde im April 1963 ein völlig neues Wertungs- und Finanzierungssystem beschlossen: Jedes Mitglied zahlte fortan ein kleines Startgeld, um hochwertige Preise zu finanzieren, und für die Mannschaftswertung wurden nur noch die 10 erfolgreichsten Angler gewertet. Im Jahr 1973 entstand schließlich das bis heute praktizierte, legendäre „6-Ortsgruppen-Angeln“, als die Sektion Zeuthen-Nord und die Betriebsgruppe Wildau zum Turnier stießen. Es war für alle Wildauer Angler eine Frage der Ehre, dass sie im Jahr 2016 – passend zum großen 100-jährigen Vereinsjubiläum – der offizielle Ausrichter dieses traditionsreichen Hegefischens sein durften.

Kapitel 12: Der Angelkarten-Streik und die Betriebsgruppe (1960er)

Das neue Jahrzehnt begann mit einem pfeilschnellen Paukenschlag: Am 1. Januar 1960 trat in der DDR ein neues Fischereigesetz in Kraft. Die klassische Fischereischeinpflicht erlosch, und der DAV erließ eine völlig neue Gewässerordnung. Während fortan jeder auf Friedfische angeln durfte, wurde für das Raub- und Nachtangeln eine dichte Qualifikationsprüfung samt Sondermarke zur Pflicht. Doch die neue Freiheit stieß schnell an bürokratische Grenzen. Die staatlichen Genossenschaften kürzten die Zuteilung der begehrten Groß-Berliner Angelkarten drastisch. Die Situation eskalierte im April 1961: Allein im Kreis fehlten hunderte Karten. Als das DAV-Präsidium eine Beschwerde spöttisch mit dem Satz kommentierte, sie sollten „auf dem Sportplatz werfen üben“, zogen die Wildauer Funktionäre die Reißleine. Um Kurt Dewitz ließen im April 1961 alle gewählten Funktionäre geschlossen ihr Ehrenamt ruhen. Dieser mutige Streik zeigte Wirkung: Am 4. Mai 1961 lenkten die Behörden bei einem Krisengipfel ein und händigten die fehlenden Karten aus.

Wildau entwickelte sich in dieser Zeit rasant, maßgeblich geprägt durch den VEB Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ (SHR). Im Frühjahr 1959 erhielt Kurt Dewitz den staatlichen Auftrag, im Bereich dieses riesigen Kombinats eine eigene DAV-Betriebsgruppe zu gründen. Dies löste im alten Traditionsverein heftige Debatten aus, da die Mitglieder eine Zerschlagung ihrer gewohnten Struktur befürchteten. Doch da zwei Drittel der Angler ohnehin Werksangehörige waren, wurde eine externe produktive Lösung gefunden. Im Mai 1965 wurde die eigenständige Sektion Angeln der BSG Motor Wildau (die spätere Betriebsgruppe) gegründet. Statt Konkurrenz entstand eine tiefe Freundschaft: Man teilte sich das Vereinsgelände an der Dahme und veranstaltete gemeinsame Volksangeltage. Der Angelsport erlebte einen Boom: Im Dezember 1965 verzeichnete die Ortsgruppe mit 230 eingeschriebenen Sportfreunden einen historischen Höchststand.

Ein weiteres Mal bewiesen die Wildauer Angler im März 1968 ihren Kampfgeist, als eine neue Verordnung aus Sicherheitsgründen die traditionellen Steckstangen zum Festmachen der Angelkähne verbot. Aufgrund des starken Schubschiffsverkehrs hielten die Angler das vorgeschriebene Ankern jedoch für viel zu gefährlich. Anstatt das Verbot einfach zu schlucken, reichte der Verein eine offizielle Eingabe ein. Mit einem genialen Kompromiss setzten sich die Angler durch: Die eisernen Spitzen der Steckstangen wurden im Schwermaschinenwerk mit speziellen Ösen versehen und durch eine 6 mm starke Sicherheitsleine aus Dederon gegen Verlust gesichert. Die Wasserschutzpolizei lenkte ein, und die Steckstangen blieben den Wildauern exklusiv erhalten. Auch kulturell änderten sich die Zeiten: Nach dem 38. Maskenball im Jahr 1963 schlief die Tradition ein und wurde 1968 offiziell eingestellt. An ihre Stelle traten neue Höhepunkte im frisch ausgebauten, schmucken Klubheim „Haus Seeblick“ wie Pfingstkonzerte, Rosenmontagsfeiern und das legendäre „Aale-Austrudeln“, bei dem an Würfeltischen um frische Aale gezockt wurde.

Kapitel 13: Der Bau von „Haus Seeblick“ (1960 – 1971)

Seit Oktober 1954 stand den Vereinsmitgliedern ein einfacher Geräteschuppen zur Verfügung. Doch Räumlichkeiten für Feiern, Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen fehlten noch immer. Da das gepflegte Ufergelände an der Dahme ein beliebtes Ausflugsziel der Wildauer Bürger war, schmiedete der Vorstand Ende 1959 weitsichtige Pläne: Eine gezielte Verschönerung des Ufers sollte nicht nur den Anglern dienen, sondern auch den Einwohnern der Gemeinde den Zugang zum Wasser ermöglichen. Am 8. April 1960 unterbreitete Kurt Dewitz der Versammlung schließlich eine mutige Idee: Den Kauf und Bau eines eigenen, echten Anglerheims für knapp 4.700,- DM. Um das Projekt finanziell zu stemmen, bewiesen die Angler sensationellen Gemeinschaftsgeist: 30 Sportfreunde nahmen aus eigener Tasche private Kleinkredite auf, um sie dem Verein als Startkapital vorzustrecken.

Im Juni 1960 rollten die Bauteile des Fertigteilhauses an. Unter der Führung des Bauausschuss-Vorsitzenden Willi Brauer schufen die Mitglieder in monatelanger Freizeitarbeit das Fundament, montierten die Wände und verfugten im Frühjahr 1961 die Fenster. Nach einem finalen Großeinsatz war es am 7. Mai 1961 endlich so weit: Direkt nach dem traditionellen Anangeln weihte Kurt Dewitz das neue Anglerheim feierlich auf den Namen „Haus Seeblick“ ein. Der kommunale Bauausschuss lobte den Verein offiziell dafür, dass er in Rekordzeit, ohne staatliche Baukapazitäten oder rares Material zu binden, ein wunderschönes Schmuckstück für die gesamte Bevölkerung geschaffen hatte. Insgesamt leisteten die Angler im Jahr 1961 exakt 1.130 Aufbaustunden und schufen einen bleibenden Gegenwert von 11.500,- DM.

Schon bald wurde klar: „Haus Seeblick“ war viel zu klein! Kurzerhand wurde beschlossen, das Gebäude um die Hälfte zu verlängern, sodass im September 1962 die feierliche Einweihung des ersten Erweiterungsbaus auf stattliche 14 x 4,5 Meter gefeiert werden konnte. Im Februar 1965 erreichte eine stolze Nachricht die Mitglieder: Durch die planmäßige Rückzahlung der privaten Kredite war „Haus Seeblick“ offiziell komplett schuldenfrei! Das Tempo blieb atemberaubend: Ein massiver Toilettenanbau wurde errichtet und pünktlich zu Ostern 1964 in Betrieb genommen, gefolgt von einer professionellen Warmwasser-Zentralheizung im Jahr 1967. Ein historischer Meilenstein für die Geselligkeit war der 6. Mai 1967: Der Verein erhielt die offizielle Schankerlaubnis. Ab sofort strömten auch Nichtmitglieder und Spaziergänger in das Vereinsheim, um bei Karl Zimmermann an der sprichwörtlichen „Klappe“ (dem heutigen Küchenbereich) kühle Getränke zu kaufen. Dass all dies gelang, war maßgeblich dem unerschöpflichen Einsatz von Kurt Dewitz zu verdanken. Als Haupttechnologe im Wildauer Schwermaschinenbau nutzte er seine Kontakte geschickt zum Wohle der Angler und leitete den Verein ab 1962 als 1. Vorsitzender.

Kapitel 14: Von der Kolonie Blankstraße zur Anglerkolonie

Ein Meilenstein für die Entwicklung des Angelsports in der DDR war die am 14. Oktober 1954 erlassene „Verordnung zur Förderung des Angelsports“. Ein ganz besonderer Paragraph dieser Verordnung sah vor, Anglervereinen unentgeltlich Ufergelände zur Errichtung von sogenannten „Anglerkolonien“ zu überlassen. In Wildau stellte Kurt Dewitz am 2. April 1965 das Projekt für eine solche Kolonie auf dem Uferstreifen zwischen dem Stichkanal und der Freiheitstraße vor. Grundlage war ein weitsichtiges Abkommen mit der Gemeinde, das dem Anglerverein das exklusive Vorrecht zusicherte, frei werdende Gärten in diesem Areal zu erwerben. Ein striktes Regelwerk legte fest, dass die Parzellen weder vererbt noch verschenkt werden durften.

Zum 1. Mai 1966 ging die offizielle Verwaltung des gesamten Dahme-Uferstreifens in die Hände der DAV-Ortsgruppe über. Um die Verbindung zwischen Gartenfreunden und Anglern dauerhaft zu sichern, wurde ein verbindlicher Vergabeschlüssel festgesetzt: Mindestens 60 % der begehrten Parzellen mussten an active Mitglieder des Anglervereins vergeben werden. Am 7. März 1967 besiegelte der Vorstand den Vertrag zur Mitverwaltung der Gärten rückwirkend mit dem VEB Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV). Dass dieser Vergabeschlüssel über Jahrzehnte eisern verteidigt wurde, zeigt ein Bericht aus dem Jahr 1982: Von den damals 82 Parzellen waren exakt 44 % an DAV-Mitglieder verpachtet, während bei den Neuanträgen streng darauf geachtet wurde, das Verhältnis wiederherzustellen.

Dabei blickte das Gelände schon damals auf eine lange Geschichte zurück: Bereits auf einem alten Kabel-Lageplan vom 29. November 1916 war das Areal exakt als parzellierte „Kolonie Blankstraße“ verzeichnet. Über Generationen hinweg steckten die Gartenfreunde unzählige Stunden Arbeit in ihre Schollen, um sie in blühende Oasen zu verwandeln. Die politische Wende 1989/90 wirbelte jedoch auch hier vieles durcheinander. Lange Zeit herrschte große Unsicherheit darüber, ob nun die Gemeinde oder eine Wohnungsbaugesellschaft als rechtmäßiger Verpächter zuständig war. Erst 1995 konnten die Eigentumsfragen endgültig geklärt werden: Der Verein schloss mit der Gemeinde Wildau einen schützenden Zwischenpachtvertrag über das gesamte, rund 15.000 Quadratmeter große Gelände ab. Ein feierlicher finaler Triumph gelang schließlich im Jahr 2014 – im Zuge des neuen Flächennutzungsplans wurde der größte Teil der historischen Anglerkolonie offiziell als unantastbare „Dauerkleingärten“ eingestuft.

Kapitel 15: Der Kult um „Latschen-Karl“ und die Chemie-Katastrophe

Die 1970er-Jahre brachten für die DAV-Ortsgruppe Wildau – die mittlerweile auf stolze 193 Mitglieder angewachsen war – tiefgreifende personelle Einschnitte. Da der Platz im „Haus Seeblick“ für die riesige Gemeinschaft bei weitem nicht mehr ausreichte, musste der Verein für die Jahreshauptversammlungen ein strenges Delegiertensystem einführen. Das unangefochtene Herzstück des geselligen Vereinslebens ruhte in dieser Dekade auf den Schultern eines einzigen Mannes: Karl Zimmermann. Der ehemalige Schmiedemeister leitete die Vereinsgaststätte im Alleingang. Zimmermann war im besten Sinne eine Respektsperson – ruhig, konsequent und absolut bestimmend. Hinter vorgehaltener Hand nannten ihn die Angler ehrfürchtig „Latschen-Karl“. Der Legende nach stammte der Spitzname aus seiner Zeit in der Werkstatt, als ihm ein Kollege mit glühendem Eisen zu nahe kam und Karl trocken drohte: „Ich latsch Dir gleich eine!“ Karl was im Klubhaus so unentbehrlich, dass der Vorstand die Mitglieder anweisen musste, bloß keine Fremden mehr mitzubringen. Als er im April 1979 den Zapfhahn aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste, brachen tumultartige Zustände aus und die Sitzung musste abgebrochen werden.

Im März 1971 stand die Existenz des mühsam erbauten Anglerheims plötzlich auf Messers Schneide. Durch eine schwere Havarie in der Generatorenanlage des angrenzenden Schwermaschinenbaus (VEB SHR) strömte tonnenweise phenolhaltiges, chemisch verseuchtes Wasser auf das Vereinsgelände und unterspülte das Fundament von „Haus Seeblick“. In einer dramatischen Rettungsaktion rückten die Arbeiter des Werks an, hoben Sickergruben aus und schütteten Schutzdämme auf, um ein ökologisches Desaster auf der Dahme zu verhindern. Wochenlang zog der beißende Phenolgeruch durch das Klubheim. Kurt Dewitz handelte jedoch aus, dass das Werk zum Schadensausgleich materiell half und den Anschluss an das städtische Trinkwassernetz finanzierte. Ein absolut kurioses Dokument der Zeitgeschichte ereignete sich am 2. Oktober 1970: Volle 35 Jahre bevor an ein gesetzliches Rauchverbot gedacht wurde, beschloss die rauchende Mehrheit der Angler auf Wunsch der Nichtraucher, das Rauchen im Vereinsheim künftig freiwillig „weitestgehend einzuschränken“.

Sportlich ging es in den 70ern hochprofessionell zu. Der Terminkalender platzte aus allen Nähten: Von Kreismeisterschaften im Friedfischangeln auf der Zernsdorfer Lanke bis hin zum Flugangeln in Märkisch Buchholz war alles durchgetaktet. Dass es sich lohnte, bewiesen die Fänge: Im August 1972 zog Achim Lange einen gewaltigen Karpfen von 18 Pfund direkt vom Steg aus an Land, gefolgt von Willi Soost mit einem 15-Pfünder vom Boot. Zum Ende des Jahrzehnts, im November 1975, übernahm Dieter Kühn das Amt des 1. Vorsitzenden, flankiert von einem 17-köpfigen Vorstand, zu dem nun sogar offizielle Posten wie ein „Kulturobmann“ und ein staatlich verordneter „Parteiorganisator“ gehörten. Allein 1976 leisteten die Mitglieder sensationelle 1.800 unentgeltliche Arbeitsstunden zur Pflege ihrer Heimatoase.

Kapitel 16: Weltklasse im Turnierangelsport (Casting)

Der traditionelle Anglergruß „Petri Heil“ besinnt sich auf den heiligen Apostel Petrus, den Schutzpatron der Fischer. Doch in Wildau entwickelte sich ab den 1950er-Jahren eine sportliche Disziplin, die den Verein bis auf das internationale Parkett des Weltsports führen sollte: Der Turnierangelsport (heute weltweit als Casting bekannt). Dabei waren die Anfänge steinigen Wegen unterworfen. Erste Versuche, in den 1930er-Jahren eine Jugendabteilung per Aushang ins Leben zu rufen, verpufften nahezu ergebnislos, bevor sie 1937 komplett verboten wurden. Erst mit einer wegweisenden Richtlinie im Januar 1955 rückte der Anglernachwuchs wieder in den Fokus. Was als Pflichtprogramm begann, entwickelte sich zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Das Training wurde für alle Jugendlichen als obligatorisch erklärt und fand fortan alle 14 Tage auf dem Sportplatz statt.

Der endgültige Durchbruch zur absoluten Landesspitze gelang ab November 1975, als Günter Bruns die sportliche Leitung übernahm. Unter seiner Anleitung sammelte der Wildauer Nachwuchs Titel in Serie. Legendär waren Bruns’ Berichte auf den Versammlungen, bei denen er mit ernster Miene schilderte, dass man „schon wieder nur“ 12 Gold-, 13 Silber- und 6 Bronzemedaillen bei den Deutschen Meisterschaften abgeräumt hatte. Die Dominanz der Wildauer war so erdrückend, dass die Kreismeisterschaften im Jahr 1985 komplett abgesagt werden mussten, weil schlichtweg kein anderer Verein der Region mehr bereit war, sportlich gegen die übermächtige Wildauer Mannschaft anzutreten! Noch im Wendejahr 1989 holte das Team bei der Kreis-Spartakiade sensationelle 27 Goldmedaillen.

Der unangefochtene König des Wildauer Turniersports wurde jedoch Wilfried Noack. Nach der Berufung in die A-Nationalmannschaft der DDR im Jahr 1976 war er auf Republik-Ebene kaum zu schlagen und wurde 1981 offiziell als „Meister des Sports der DDR“ ausgezeichnet. Seinen absoluten Karrierehöhepunkt und gleichzeitig den größten Triumph der Vereinsgeschichte feierte Wilfried Noack im Jahr 1990: Nach zwei weiteren DDR-Meistertiteln im Jahr 1989 reiste er als Top-Athlet zu den Weltmeisterschaften nach Bordeaux (Frankreich) und krönte seine jahrzehntelange harte Arbeit mit dem offiziellen Titel des Vizeweltmeisters im Casting! Unvergessen bleibt auch der Saisonabschluss im Oktober 1982. Nach einem harten Training forderten die Jugendlichen die Senioren zu einem Fußballduell heraus und demütigten die Altmeister mit einem klaren 6:3-Sieg, bevor der Tag bei einer ausgelassenen Disco-Nacht im Klubheim endete.

Kapitel 17: Die 1980er-Jahre & Der Reederei-Crash

Nach dem Rückzug von Karl Zimmermann wurde fieberhaft nach einer Nachfolge für die Vereinsgaststätte gesucht. Im Juni 1984 stellte der neue Vorsitzende Peter Wilde eine engagierte junge Frau vor, die das Herzstück des Vereins für die nächsten Jahrzehnte prägen sollte: Karin Krüger übernahm den Zapfhahn und hielt den Tresen im „Haus Seeblick“ bis Dezember 2014 stolze 30 Jahre lang fest in ihrer Hand. Unter ihrer Führung blühte die Geselligkeit trotz strenger Hausregeln: Der Vorsitzende mahnte die Jugend, Aschenbecher selbst zu leeren und leere Gläser zurückzubringen. Auch die Feste blühten: Beim Sommerfest 1982 spielten die Musiker einer NVA-Combo bis 1:00 Uhr morgens zum Tanz auf, während am Grill exakt 150 Bratwürste und 150 Bockwürste über den Tresen gingen.

Mit 203 Mitgliedern hatte der Verein eine Kapazitätsgrenze erreicht. Zu dieser Belastung kam am 18. Januar 1982 ein schwerer Rückschlag: Ein Frachtschiff der VEB Deutsche Binnenreederei Berlin rammte die Steganlage und zerstörte sechs Bootsstände. Der Verein schloss die Schadensregulierung für ein Mammutprojekt ab. Am 10. Dezember 1984 erteilte das Wasserstraßenamt die Genehmigung für den Bau von drei modernen Gemeinschaftsstegen und einer Slipanlage. Im Frühjahr 1985 begannen die Arbeiten. Um die gigantischen Kosten von 87.000,- DDR-Mark zu stemmen, mussten die Mitgliedsgebühren ab 1986 um 100 % erhöht und die Pflicht-Aufbaustunden auf 12 Stunden verdoppelt werden. Bis 1988 folgten in harter Eigenleistung eine Stegbeleuchtung, eine komplett neue Zwischendecke für das Anglerheim und ein neuer Außenanstrich.

Ein extrem hitziges Kapitel ereignete sich im April 1989. Der historische Stichkanal war ökologisch völlig am Ende. Bei einer Mitgliederversammlung im April 1989 platzte den Wildauer Angler endgültig der Kragen. Der Vorstand lud den Wildauer Bürgermeister sowie Spitzenvertreter der staatlichen Wasserwirtschaft zu einer Aussprache vor den Verein. Die Funktionäre übten zwar Selbstkritik, versuchten jedoch, die Schuld auf die Bürger zu schieben. Eine Begehung offenbarte das ganze Desaster: Der Kanal wies eine sechs Meter dicke, giftige Schlammschicht auf. Im Saal kam es zu hitzigen Wortmeldungen. Eine für den Herbst 1989 geplante Folgesitzung fand jedoch niemals statt – andere Ereignisse bestimmten plötzlich die Tagesordnung. Am 1. September 1989 hielt der Verein seine allerletzte Mitgliederversammlung der alten DDR-Zeit ab.

Kapitel 18: Wendezeiten und ein neuer Anfang (1990)

Der gesellschaftliche Umbruch schlug im Januar 1990 voll in den Vereinsalltag ein. Plötzlich gab es neue Satzungen, Regelungen für Gemeinschaftsangeln mit Bundesbürgern und Tageskarten für westdeutsche Gäste. Mit dem rasenden Zug der Zeit in Richtung Einheit drohte die bisherige Rechtskonstruktion des Vereins komplett zu erlöschen. Pachtverträge für das Ufergelände, Haftungsfragen und die Schankerlaubnis mussten rechtlich komplett neu aufgestellt werden. Am 12. Juni 1990 rettete der Vorstand die Existenz der Gemeinschaft: Unter der laufenden Nummer 44 wurde die Gemeinschaft offiziell in das neue Vereinsregister eingetragen und führt seither den Namen „Anglerverein Wildau 1916 e.V.“. Im September 1990 ging aus den alten Bezirksstrukturen der Landesanglerverband Brandenburg e.V. hervor.

Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 hielt die D-Mark Einzug – und mit ihr ein gewaltiger Preisschock: Die Jahresgebühren schossen für 1991 auf astronomische 156,- D-Mark hoch, was zu heftigen Protesten führte, da viele Mitglieder von Kurzarbeit und der bis dahin unbekannten Härte der Arbeitslosigkeit betroffen waren. Legendär blieb die damalige Grußformel des Vorsitzenden bei internen Feiern: „Bleibt gesund und werdet nicht arbeitslos.“ Dass der Verein die strengen Kontrollen der Finanzämter ohne Strafen überstand, war der akribischen Arbeit von Frau Waltraud Wilde zu verdanken, der die Versammlung im Januar 1992 tiefen Respekt zollte.

Auch das vertraute Angeln änderte sich durch neue Gesetze: Die Verwendung lebender Köderfische wurde streng verboten. Den absoluten Gipfel der Bürokratie schoss jedoch die neue Brandenburger Landesregierung ab, die 1992 eine Fischereiordnung erließ, die unfassbare 125,- DM allein für den Fischereischein verlangte und mickrige Angelkarten-Kontingente pro Hektar vorsah. Diese Einschränkungen entfachten im Land einen derartigen Sturm der Entrüstung, dass die Wildauer Angler gemeinsam mit tausenden Gleichgesinnten ein erfolgreiches Volksbegehren durchsetzten. Die Landesregierung musste einknicken: Die Mengenbegrenzung wurde ersatzlos gestrichen und die Gebühr für den Fünfjahresschein auf erträgliche 25,- DM gesenkt. Dank des unermüdlichen Kampfgeistes von Peter Wilde und Arnim Swientek überstand der Verein die turbulenten Wendejahre ohne nennenswerte Verluste.

Kapitel 19: Geburtstag im August – Die großen Jubiläen

Der August ist seit jeher der wichtigste Monat im Wildauer Vereinskalender, denn am 9. August 1916 wurde die Gemeinschaft ins Leben gerufen. Zum 50. Gründungstag im August 1966 leisteten die Mitglieder in ihrer Freizeit über 250 unentgeltliche Aufbaustunden, um das Gelände an der Dahme auf Vordermann zu bringen. Tonnenweise Erde wurde aufgeschüttet, um eine neue Terrasse zu schaffen, und ein riesiges Festzelt errichtet. Die Mühe wurde belohnt: Bei strahlendem Sommerwetter drängten sich über 209 registrierte Gäste auf dem Platz. Eine erstklassige 6-Mann-Kapelle sorgte dafür, dass die historische Feier in bester Harmonie begangen werden konnte.

Zehn Jahre später, zum 60-jährigen Bestehen am 21. August 1976, zog der Verein noch größere Register. Für die Mega-Party wurde extra der große Saal des Wildauer „Volkshauses“ angemietet. Der absolute Knaller des Abends war der Auftritt der damals landesweit extrem beliebten Volkskünstlerin Ellen Tiedtke. Ihr niveauvolles Kulturprogramm erntete tosenden Applaus. Gekoppelt mit einer reich bestückten Tombola feierten die Wildauer Angler bis weit nach Mitternacht. Zum 70. Stiftungsfest im Jahr 1986 blieb man wieder gemütlich auf dem eigenen Vereinsgelände: 154 Gäste feierten bei selbstgemachtem Kesselgulasch und Tanz auf Beton und Wiese eine harmonische Party bis 2:00 Uhr morgens.

Die jüngere Vereinsgeschichte knüpfte nahtlos an diese Traditionen an: Zum 90. Vereinsgeburtstag im Jahr 2006 charterte der Vorstand ein Fahrgastschiff für eine idyllische Seen-Rundfahrt, untermalt vom eigens gegründeten Chor der Wildauer Anglerfrauen. Zum 95. Jubiläum im Jahr 2011 führten Moderatoren zünftig in bayerischer Tracht durch ein buntes Programm voller Überraschungen. Mit Zauberern und Feuerschluckern wurde der Grundstein für die Vorfreude auf das große 100-jährige Jubiläum im Jahr 2016 gelegt.

Kapitel 20: Epilog – Aufbruch in das zweite Jahrhundert

Das Verfassen einer Vereinschronik entspringt immer dem Wunsch, sich der eigenen Wurzeln bewusst zu werden. Die Erarbeitung dieses historischen Rückblicks war ein echtes Mammutprojekt, das auf jahrelangem, intensivem Quellenstudium beruht. Als wahre Fundgrube erwiesen sich dabei die Protokollbücher der Vereinsversammlungen, die glücklicherweise fast lückenlos erhalten geblieben sind. Beim Blick auf all diese bewegten Jahrzehnte wird eine konstante Konstante sichtbar: Der unerschütterliche Gemeinsinn. Stellvertretend für alle fleißigen Hände ist diese Chronik dem langjährigen Vorsitzenden Peter Wilde sowie der unermüdlichen Finanzchefin Waltraud Wilde gewidmet.

Im Januar 2015 schloss sich der Kreis der Geschichte endgültig: Der „alte“ Wildauer Anglerverein von 1916 und die 1965 gegründete Betriebsgruppe unterzeichneten einen notariellen Fusionsvertrag und verschmolzen zu einem einzigen, großen gemeinsamen Verein. Durch diesen historischen Zusammenschluss konnte das Vereinsgelände spürbar vergrößert und die Zukunft der gesamten Anlage über einen langfristigen Erbbaupachtvertrag dauerhaft gesichert werden. Pünktlich zum großen 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2016 präsentierte sich der Verein als absolut rüstiger Verband mit 154 Mitgliedern, sanierten Steganlagen und einem modernisierten Vereinsheim.

Heute hat der Anglerverein Wildau 1916 e.V. einen unerschütterlichen, festen Platz im Leben der Stadt Wildau. Das über Jahrzehnte in Eigenleistung erbaute „Haus Seeblick“ ist mit seiner gemütlichen, öffentlichen Vereinsgaststätte weit mehr als nur ein Treffpunkt für Angler. Nicht nur in den warmen Sommermonaten bietet das malerische Ufergelände allen Wildauer Bürgern einen wunderbaren Platz zum Verweilen direkt am Wasser. Neben dem ereignisreichen angelsportlichen Vereinsleben bereichern große öffentliche Veranstaltungen das städtische Leben: Die ausgelassenen Kinderfeste, das spektakuläre, jährliche Drachenbootrennen und unzählige beschwingte Feiern sind fest im Kalender verankert. Der Verein steht mit beiden Beinen fest im zweiten Jahrhundert seiner Geschichte – treu dem alten Gruß: Petri Heil!